VEGAN BOX meets Björn Moschinski

Björn Moschinski ist nicht nur einer der bekanntesten veganen Köche Deutschlands, sondern eindeutig auch einer der sympathischsten!
Im September 2011 öffnete sein eigenes veganes Restaurant „Kopps“ in Berlin-Mitte die Pforten, nur einen Monat später folgte das erste eigene Kochbuch “Vegan kochen für alle“. Inzwischen hat er sein zweites Kochbuch auf den Markt gebracht: „hier & jetzt vegan“, wobei das vor allem das marktfrische Einkaufen und das saisonale Kochen meint. Ein neues Restaurant in Berlin Friedrichshain soll im August eröffnen. Bis Ende des Jahres arbeitet der Berliner an einem neuen Kochbuch – seinem dritten!
Ich habe Björn in seinen neuen Räumlichkeiten in Berlin Friedrichshain getroffen.

Interview Björn Moschinski

Du bist Veganer, seit du 15 Jahre alt bist. Wie kam es dazu?

Durch die Bravo! Da gab es 1991 einen Bericht über Tiertransporte und dieser Bericht hat mich damals zum Nachdenken gebracht. Ich hab mich dann dazu entschieden, keine Tiere mehr zu essen weil ich die Tierquälerei nicht verantworten wollte und bin dann Vegetarier geworden. Nach einem Jahr habe ich den Vegetarismus dann auch hinterfragt. Ich habe dann aufgehört Leder zu tragen und habe immer mehr Sachen wie Käse, Milch und Gelatine weggelassen. Und weil ich ein konsequenter Mensch bin, habe ich mich dann entschieden vegan zu werden.

Dein Buch „vegan kochen für alle“ soll alle Menschen ansprechen, egal ob vegan oder
nicht. Heißt das, dass du tolerant gegenüber Fleischessern bist?

Ich bin Menschen allgemein tolerant gegenüber. Außerdem habe ich festgestellt, dass du gar nichts erreichst, wenn du dogmatisch auf die Menschen zugehst. Wenn ich Leute treffe, die ich nicht kenne und die mich nicht kennen, würde ich nie erzählen, dass ich Veganer bin. Ich würde auch niemals den Leuten den Teller mit Fleisch aus der Hand schlagen und fragen, was das soll! Ich kenne schließlich keinen Menschen, der sein Leben lang vegan ist. Warum sollte ich Fleischessern also gegenüber intolerant sein, dann müsste ich auch Veganern gegenüber intolerant sein weil sie alle mal Fleischesser waren. Bloß weil ein Mensch Fleisch ist, heißt das nicht, dass er auch Bescheid weiß über die Massentierhaltung. Es ist eine krasse Medienleistung, die Menschen so zu verdummen und eine krasse Lobbyleistung, sie so zu verunsichern.
Früher habe ich zwar bei vielen Demos mitgemacht, die Leute versucht zu überzeugen und hab dann erst später festgestellt, dass der Bezug zu den Menschen über Essen viel einfacher ist. Über Ernährung und Essen kann ich die Leute viel mehr erreichen, als über Fakten, Worte und Bilder.

Ist deine Partnerin auch vegan?

Ja, ist sie.

War das Voraussetzung?

Wenn man jemanden kennenlernt und sich verliebt, kann man vorher ja nie wissen, welche Ernährungsform er lebt. Ich persönlich könnte jedoch mit niemanden länger zusammen leben, der nicht vegan ist. Das hört sich hart an, aber das hat einfach zu viel Konfliktpotential. Aber dass meine Freundin Veganerin ist, ist nicht der Grund gewesen, warum ich mich in sie verliebt habe. Sie war zwar von Anfang an vegan – doch das war ein Zufall. 

Du bietest Schulungen und Workshops zum veganen Kochen für Kantinen, Mensen und Catering-Unternehmen an und setzt dich auf diversen Veranstaltungen für die vegane Ernährung ein. Würdest du dich als Vegan-Missionar bezeichnen?

Nein, ich habe noch nie missioniert! Wir Veganer müssen ja auch nicht missionieren, weil wir nichts von einem Gott erzählen müssen, der nicht greifbar ist. Der Veganismus beruht ja auf Fakten. Wir wissen, dass er eine der gesündesten Ernährungsweisen ist, dass wir damit die Umwelt viel weniger belasten, Ressourcen schonen und dass dadurch keine Tiere getötet werden müssen. Das sind einfach Fakten. Ich muss also niemanden davon überzeugen. Es ist ja nun mal so.

Du hast ein V auf das Handgelenk tätowiert. Das ist aber doch ein klares Statement, oder?

Das Tattoo ist in erster Linie für mich. Ich habe bewusst kein „vegan“ hingeschrieben sondern nur das V, weil das allein für mich ist. Die meisten Leute denken eh das sei ein Stempel!
Ich werde mein Leben lang vegan bleiben. Das ist für mich gesetzt!

Die vegane Bewegung macht momentan Riesenschritte. Allerdings rücken oft moralische und ethische Motivationen in den Hintergrund, Körper- und Gesundheitsbewusstsein rücken in den Vordergrund. Vegan zu sein, wird als „trendy“ und „sexy“ bezeichnet. Was sagst du dazu?

Wenn Menschen sich aufgrund von Fitness, Gesundheit oder ökologischen Motiven vegan ernähren, werden sie früher oder später auch auf die Fakten und moralischen Aspekte treffen wie z.B. auf Tierleid. Und in dem Moment entwickelt sich was bei ihnen. Ich kenne viele Leute, die aus diversen Beweggründen zum Veganismus gekommen sind und dann aber irgendwann zum Tierrecht gekommen sind und viel mehr Sinn dahinter gefunden haben. Wenn man wirklich vegan lebt bedeutet das immer, dass das auf eine moralische ethische Lebenseinstellung begründet ist. Deswegen kann der Veganismus kein Trend sein. 

In deinem Restaurant „Kopps“ werden nur vegane Gerichte angeboten. Aber deine Köche sind nicht alle vegan.

Das liegt vor allem daran, dass in Deutschland eine Kochausbildung Fleischzubereitung vorschreibt. Man konnte bisher keine vegetarische Kochausbildung machen in Deutschland. Und mir geht es um Qualität und nicht um die Einstellung meiner Köche. Warum sollte ich mich gegenüber den Köchen verschließen, wenn sie daran interessiert sind vegan/vegetarisch zu kochen? Mir geht es darum, den Köchen die vegane Küche zu zeigen. Das schlimmste für mich sind vegetarische Gerichte, die schlecht schmecken.

Stehst du denn auch noch selbst vor dem Herd?

Selten! Ich mache zur Zeit viele Kochkurse, Kochschulungen, entwickle Rezepte für Unternehmen, arbeite an neuen Projekten, produziere gerade eine Eigenmarke und schreibe an meinem neuen Kochbuch bis Ende des Jahres. Das sind sehr viele Projekte. Da habe ich keine Zeit mehr täglich in der Küche zu stehen. Deshalb habe ich ein sehr starkes Team, das aber eng mit mir zusammenarbeitet und mich oft um Rat fragt.

Im „Kopps“ bietest du vegane, typisch deutsche Gerichte an. In Kürze soll dein zweites Restaurant in Berlin- Friedrichshain eröffnen. Was wird es dort geben?

In dem neuen Restaurant wird es mediterrane Küche geben. Der Zugang zu der italienischen Küche ist viel einfacher als der zu deutscher Küche. Das Publikum wird hier jünger sein. Es gibt doppelt so viele Sitzplätze und eine frische, einfache Küche. Das Kopps ist viel schicker, da haben nicht so viele Leute einen Bezug zu und fühlen sich fehl am Platz. Deswegen soll das hier anders werden mit einer Lounge, Stehtischbereich, italienischen Zementfliesen, Buffetstrecke und Live Musik. Tagsüber soll es was Einfaches, Schnelles geben und preislich im Low Budget Bereich bleiben. Ganztägig soll es immer drei Möglichkeiten geben: Konventionell, Vollkorn und glutenfrei. Eventuell auch in Bioqualität. Ab 18 Uhr wird es dann schicker, a la Card mit hausgemachter Pasta und Pizza. Gute Pizza mag schließlich jeder gerne!

Wie kamst du zum Kochen?

Damals, als ich mit 15 Jahren vegan wurde, hat meine Mutter gesagt, dass ich dann meine Sachen selber kochen soll. Denn von veganer Küche hatte sie keine Ahnung. Dadurch, dass ich dazu gezwungen war selber zu kochen, hat sich dann diese Leidenschaft dafür entwickelt. Ich hab mir die Tipps von meiner Mutter geholt, wie man Fleisch zubereitet und hab das dann auf die Soja Fleischersatz Produkte angewendet. Das hat echt gut geschmeckt und so bin ich dran geblieben.
Ich hab dann angefangen auf Events und Festivals zu kochen und bei kleinen Feiern, aber nie richtig professionell. Das hat sich erst 2000 entwickelt. Ich habe damals mit einem Regisseur zusammen gewohnt und der hat sich immer über das Essen am Set beschwert. Ich habe dann mal am Set gekocht und das kam gut an. Dann habe ich angefangen mit einem kleinen, eigenem Cateringwagen durch Deutschland zu reisen und habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Die Menschen essen Tiere, weil es ihnen schmeckt und das war für mich der Anreiz den Menschen zu zeigen, dass auch pflanzliche Nahrung schmeckt! Es hat nur Vorteile -für die Menschen, für die Umwelt, für die Tiere.

Also hast du gar keine Kochausbildung genossen?

Nein! Ich bin gelernter Energieelektroniker und studierter Grafikdesigner. Das Gute ist, dass man das in allen Lebensbereichen anwenden kann. Aber richtig gearbeitet habe ich in den Berufen nie.

Du hast bereits zwei Kochbücher veröffentlicht. Woher hast du die Ideen für die Rezepte genommen?

Ich habe viele Kochbücher zu Hause, die fast alle nicht vegan sind. Davon lasse ich mich inspirieren, schaue wie die Sachen gewürzt werden, was es für Tricks gibt und beziehe das anschließend auf die vegane Küche. Das A und O ist, die Alternativen zu kennen. Ich denke das ist meine Stärke: Kombinationen finden und Rezepte umwandeln. 

Du hast bereits zwei Kochbücher auf den Markt gebracht, dein erstes Restaurant hat 2011 eröffnet, nun soll dein zweites Eröffnen! Woher nimmst du die Energie? Machst du Sport?

Dafür habe ich gar keine Zeit. Ich würde gerne regelmäßig Sport machen. Ab und zu fahre ich mit dem Fahrrad, aber das macht in Berlin echt keinen Spaß! Ansonsten laufe ich gerne, wenn es die Zeit zulässt – ansonsten mache ich aber nichts weiter.

Was hattest du heute zum Frühstück?

Stulle mit Brot (Anmerkung von uns: „Stulle mit Brot“ sagt man in Berlin zu einfachem Brot mit Beilagen) Also nicht besonderes. Dazu einen grünen Smoothie. Ich bin ein ganz schlechter Frühstücker.

Was ist dein Lieblingsgericht?

Quark mit Kartoffeln und Leinöl – natürlich vegan! Da könnte ich mich reinlegen. Aber Roulade ist auch ganz lecker.

Danke lieber Björn, für dieses sehr offene und interessante Gespräch!

Tags: Allgemein
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